Bei den folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen war sächsisches Militär im Einsatz oder mit Feldpostämtern vertreten. Es können alle Ereignisse mit Dokumenten, Militär- oder Feldpostbriefen nachgewiesen werden.
•1683 – 1691 Türkenkrieg
•1618 – 1648 Der Dreißigjährige Krieg
•1701 – 1714 Der Spanische Erbfolgekrieg
•1740 – 1748 Der Österreichische Erbfolgekrieg
•1756 – 1763 Der Siebenjährige Krieg
•1792 – 1818 Die Koalitionskriege und Feldzüge Napoleons:
– 1805 -1808 Die Kriege gegen Österreich, Preußen und Russland
– 1809 Krieg gegen Österreich
– 1812 Feldzug gegen Russland
– 1813-1818 Befreiungskriege und Besatzung in Frankreich
•1848 – 1851 Aufstand in Thüringen. Der 1. Dänische Krieg
•1848 – 1851 Kurhessischer Verfassungsstreit und Aufstand in Baden
•1864 Der 2. Dänische Krieg
•1866 Der Deutsch – Deutsche Krieg
Türkenkrieg
In Aufzeichnungen aus dem Türkenkrieg 1683 finden wir zum ersten Mal den Ausdruck „Sächsische Feldpost“. Vom 30.April 1691 liegt die erste sächsische Feldpostdienstordnung vor, Sie wurde vom Kurfürst Johann Georg III, von Teplitz aus erlassen und war nur drei Seiten stark. Sie besagte, dass diejenige Postanstalt, welche mit den sächsischen Truppen ins Feld zog, die Eigenschaft eines „Hof- und Feldpostamtes“ erhielt.
1618 -1648, Der Dreißigjährige Krieg
Aus dem Aufstand in Böhmen entwickelte sich ein Kampf des katholischen gegen das protestantische Europa und zuletzt ein Eroberungskrieg der Schweden und Franzosen auf deutschem Boden. Während die Schweden bereits über ein gut ausgebautes Postsystem für Korrespondenz zwischen den Truppen und ihrer Heimat verfügen, ist über eine Feldpost der deutschen Truppen nur wenig bekannt.
In diesem Krieg ging es um den Fortbestand der Vormachtstellung Schwedens gegen Russland, Dänemark, Polen und Sachsen. Preußen schließt sich 1713 den Feinden Schwedens an. Mit Kriegsende verliert Schweden Stettin und Vorpommern an Preußen sowie Livland, Estland und Karelien an Russland.
1701-1714, Der Spanische Erbfolgekrieg
1730: Das kursächsische Feldpostamt im Zeithaimer Lager. August der Starke baute sein Heer nach dem Ende des Nordischen Krieges weiter aus. Als Höhepunkt der jährlichen Manöver und Truppenbesichtigungen wurde die gesamte sächsische Armee 1730 im Truppenlager beim Dorf Zeithaim zusammengezogen. Für den sächsischen Hof, für die fürstlichen Gäste und für die Armee verfügt der Kurfürst am 8.5.1730 die Errichtung eines Feldpostamtes im Dorfe Glaubitz. Der Postdienst und die Gebühren wurden in Anlehnung an das Reglement von 1693 festgesetzt. Manöverpost ist bislang nicht bekannt.
1740-1748, Der Österreichische Erbfolgekrieg
Der Kurfürst von Bayern erhebt nach dem Tode Karls VI. Ansprüche auf das habsburgische Erbe und wird von Frankreich unterstützt. Ebenso erheben Preußen, Sachsen und Spanien Ansprüche. Die Preußen besetzen einen Teil Schlesiens, die Franzosen, Bayern und Sachsen erobern Prag. Böhmen wird 1742 wieder befreit, die Franzosen am Rhein von der Pragmatischen Armee (bestehend aus Engländern, Hessen und Hannoveranern) geschlagen. 1744 dringen die Preußen bis Prag vor, werden aber nach Schlesien zurückgeworfen. Ein nach Schlesien vorrückendes Heer der Österreicher wird bei Hohenfriedberg besiegt. Im Frieden zu Aachen muss Österreich einen Teil der italienischen Besitzungen an Spanien sowie Schlesien an Preußen abtreten. Maria Theresia wird als Kaiserin anerkannt. Der bekannteste Feldherr Sachsens war Moritz von Sachsen ein Sohn des Churfürsten August des Starken. Er war General-Feldmarschall in französischen Diensten. Er führte einen eigenen Stempel „AR-SAXE“ von dem nur wenige Abschläge bekannt sind.
1756 -1763, Der Siebenjährige Krieg
Im dritten Krieg um Schlesien bewahrt Preußen den dortigen Besitz. Die Auseinandersetzung endet mit dem Frieden von Hubertusburg. Der Generalfeldmarschall Herzog Ferdinand von Braunschweig gab 1762 ein Feldpost-Reglement heraus, welches das bisherige Feldpostwesen verbesserte und die während der letzten Feldzüge gemachten Erfahrungen verwertete. Es sind einige Belege der preußischen Besetzung Sachsen bekannt.
Sächsischer-Zensurbrief 1762 zur Zeit des Siebenjährigen Krieges während der Besetzung von Leipzig durch preußische Truppen
Begleitbrief zu einer Geldsendung: von Leipzig 06.Januar 1762 nach Dresden „Samt Faß mit 3000 Talern“, Kennzeichnung „HE # 3“ Der Brief wurde von der preußischen Kommandantur zur Kontrolle geöffnet und wieder mit einem Dienstsiegel verschlossen.
1792 -1813, Die Koalitionskriege und Feldzüge Napoleons
Die Kriege der Franzosen gegen Deutschland, die schließlich unter Napoleon zur Besetzung des ganzen Landes führten, hatten zur Folge, daß die im Rheinbund zusammengeschlossenen deutschen Staaten den Franzosen Truppenkontingente stellen mussten. Diese deutschen Truppen in französischem Dienst und machten die Feldzüge Napoleons mit. Feldpostbriefe deutscher Soldaten sind daher aus weiten Teilen Europas zu finden.
1805 -1808, Die Kriege gegen Österreich, Preußen und Russland
Die 1. Grande Armée führte die Feldzüge 1805/1806 gegen Österreich, 1806 gegen Preußen zusammen mit dem Verbündeten Sachsen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. 1807 gegen Russland durch und wurde am 12. 10.1808 wieder aufgelöst. Nach der verlorenen Schlacht verbündete sich Sachsen zwangsweise mit Napoleon tratt dem Rheinbund bei und wurde 1806 zum Königreich erhoben.
Nach dem Frieden von Tilsit ist fast ganz Deutschland durch französische Truppen besetzt. Das Königreich Westfalen wird gegründet. Die Truppen der ehemaligen Grande Armée werden in West- und Süddeutschland, in Schlesien und Polen in Armée du Rhin umbenannt. Die Hansestädte erhalten ein eigenes Gouvernement und eigene Armeen.
1809, Krieg gegen Österreich
Im Jahre 1806 wurde der Rheinbund errichtet. Dieser war verpflichtet, dem französischen Kaiserreich 65.000 Mann für den Militärdienst zu stellen. Die Soldaten beteiligten sich an der Niederwerfung des österreichischen Befreiungsversuchs im Jahre 1809 in Tirol. Die Stempel der Armée d’Allemagne sind Zeugen dieses Feldzuges. Sächsische Truppen waren auch dort im Einsatz.
1812, Feldzug gegen Russland
Dieser Krieg mit der 2. Grande Armée bringt den großen Umschwung und die Befreiungskriege 1813/1814 und schließlich das Ende der französischen Herrschaft in Deutschland. In der 2. Grande Armée, die 500.000 Mann umfasste, kämpften ein preußisches und ein österreichisches Corps sowie Soldaten aller deutschen Staaten neben Franzosen, Schweizern, Holländern und Polen. Sachsen musste 35.000 Soldaten stelle, die auf verschiedene französische Armeen aufgeteilt wurden.
1813-1818, Befreiungskriege und Besatzung in Frankreich
Schon 1809 plante Preußen im Zusammenhang mit der Aufstellung eines neuen Heeres eine Feldpost, die dann 1813 kurzzeitig mobil gemacht werden konnte. Der Befreiungskrieg von Preußen, Russland und Österreich gegen Napoleon endet mit der Völkerschlacht bei Leipzig und der Einnahme von Paris (am 31.3.1814). Napoleon wird auf die Insel Elba verbannt.
Am 1.3.1815 landet Napoleon in Südfrankreich, wird aber mit seinen Truppen am 18.6.1815 geschlagen und als Kriegsgefangener nach St. Helena verbracht. Paris wird erneut eingenommen und die Nord- und Ostgrenze Frankreichs bleibt vertraglich auf 5 Jahre besetzt. 1818 ziehen die verbündeten Truppen bereits wieder ab. Von den sächsischen Truppen sind aus dieser Zeit zwei sehr seltene Feldpoststempel bekannt. Sachsen stellte ca. 50.000 Mann Besatzungstruppen in Frankreich. Aus dieser Zeit wurden die beiden ersten Felspoststempel Sachsens eingesetzt.
1848 -1851, Aufstand in Thüringen. Der 1. Dänische Krieg
Den Aufständischen in Schleswig-Holstein kommen Bundestruppen, u.a. die Preußen zu Hilfe. Die Feldpost wird nach der Vorschrift vom 1.9.1848 eingerichtet. Die Feldpostämter verwenden eigene Stempel. Auf privaten Schreiben finden wir Vermerke wie „Frei lt. Ordre, Feldpost“ oder „Militair-Familienbrief“ Nach Ablauf eines siebenmonatigen Waffenstillstandes am 26.3.1849 wurde eine eigene Feldpost für die schleswig-holsteinischen Truppen aufgebaut. Alle Briefe bis Loth waren portofrei.
Das sächsische Truppenkontingent des Deutschen Bundesheeres führte im Frühjahr 1849 bei den Kampfhandlungen in Schleswig-Holstein erstmalig einen Feldpoststempel mit auswechselbarem Datumeinsatz. Stempel wurden ausschließlich in schwarzer Farbe abgeschlagen.
Bisher sind mir Abstempelungen von Feldpostbriefen mit dem Feldpoststempel nur aus den Monaten Mai, Juni und Juli 1849 bekannt in schwarzer Farbe.
Fast zeitgleich wie der Einsatz der Bundes Exekutionstruppen in Schleswig-Holstein waren Sächsische Truppen zur Niederschlagung revolutionärer Bewegungen in den Städten Thüringens kommandiert worden. Diese Volksaufstände für die Anerkennung der von der Nationalversammlung verabschiedeten Verfassung wurden von preußischen und den zur Unterstützung beorderten sächsischen Truppen im Juni 1849 niedergeschlagen.
1848 -1851, Kurhessischer Verfassungsstreit und Aufstand in Baden
Auf Ersuchen des Großherzogtums Baden greifen preußische und deutsche Bundestruppen gegen republikanische Aufständische in Baden ein. Nach dem Fall der Festung Rastatt, dem Herd und Stützpunkt der Aufständischen, sind die Unruhen niedergeschlagen. Um die preußische Union zu sprengen, wird die Bundesexekutive durch bayerische und österreichische Truppen beschlossen. Preußische Truppen rücken in Hessen ein, ziehen sich aber wieder zurück, um einen Konflikt zu vermeiden. Für die Reichsarmee und die beteiligten 1., 3. und 8. Armeecorps werden Feldpostanstalten mit eigenen Stempeln tätig. Sächsische Truppen wurden in Bereitschaft versetzt.
1850, Kurhessischer Verfassungsstreit
Auf Verfügung des sächsischen Finanzministeriums vom 16. November 1850 wurde erneut ein Feldpostamt für Sächsische Truppen eingerichtet. Mit einem Österreichisch-Bayrischen Exekutionsheer waren Sächsische Einheiten an der bewaffneten Intervention in Kurhessen beteiligt. Bereits am 29. November 1850, nach Abschluss des Vertrages von Olmütz, räumte Preußen Kurhessen und Ende Dezember 1850 erfolgte die Demobilisierung der sächsischen Truppen.
Sachsen setzte erneut ein Feldpoststempel ein. Es war der gleiche Stempel aus den Feldpostamt in Schleswig-Holstein. 1848 bis 1850. Er wurde in schwarz abgeschlagen. Wegen der Kürze der Zeit stand kein Jahreseinsatz zur Verfügung. Anstelle der Jahreszahl wurde ein Blindeinsatz verwendet.
1864, Der 2. Dänische Krieg
Dänemark weigert sich, dem Verlangen Preußens und Österreichs nach Aufhebung der neuen dänischen Verfassung zu entsprechen. Österreichische Truppen rücken daraufhin siegreich in Dänemark vor. Im Frieden zu Wien vom 30.10.1864 tritt Dänemark Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich ab.
Die preußische Feldpost wird bereits am 25.12.1863 tätig. Außer den Feldpostämtern bei der Truppe werden 37 Feldpostrelais errichtet. Auch preußische Kriegsschiffe nahmen am Kampf gegen die Dänen teil. Bei den Bundestruppen befanden sich hannoversche, mecklenburgische und sächsische Einheiten.
Die Sächsische Feldpost führte 2 neu Stempeltypen ein, die anfangs in roter und später in grüner Farbe abgeschlagen wurden.
1866, Der Deutsch – Deutsche Krieg
Preußen kämpft zusammen mit den norddeutschen Staaten und Italien gegen Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland.
Bei der Mobilmachung im Mai 1866 zu Beginn des Deutschen Krieges wurde die etwa 32.000 Mann starke Armee bei Dresden versammelt und Kronprinz Albert zum Oberbefehlshaber ernannt.
Nach der Kriegserklärung überschritt die preußische Armee am 16. Juli 1866 die Grenze bei Strehla und Löbau.
Am 16. Juni 1866 marschierte Preußen nahezu kampflos in Sachsen ein. Das Sächsische Militär hatte sich bereits nach Böhmen zurückgezogen, um sich mit den Österreichischen Truppen zu vereinen.
Baden und Württemberg kämpfen auf der Seite Österreichs. Sachsen verwendete die Feldpoststempel, die 1864 in Gebrauch genommen worden waren.
Die Entscheidung zugunsten Preußens fällt gegen die österreichischen und sächsischen Truppen bei Königgrätz; auch die anderen deutschen Staaten werden besiegt. Unter der Führung Preußens wird der Norddeutsche Bund gebildet.
Nach dem Waffenstillstandsvertrag mit Preußen wurden die Truppen in den Raum Wien verlagert. Sie verweilten dort, bis ein Friedensvertrag mit Preußen abgeschlossen wurde.
Eine spannende Periode Sächsischer Postbeförderung, welche durch die Kriegsereignisse im Kriegsgebiet des Sommers 1866 stark beeinflusst wurde.
Vorgeschichte: Die Ursachen für den Krieg lagen in der österreichisch-preußischen Auseinandersetzung um die Führungsrolle im Deutschen Bund (Deutscher Dualismus). Bereits in der Herbstkrise 1850 wäre es beinahe zu einem Krieg zwischen den beiden Hauptmächten im Bund gekommen. Vor dem Hintergrund der führenden Rolle Preußens im Deutschen Zollverein unter Ausschluss Österreichs, der wirtschaftlichen Prosperität, aber auch der in reaktionären Kreisen geschätzten preußischen Militärtradition boten sich Anreize, die endgültige Entscheidung der Machtfrage zu suchen. Vorwand des Krieges 1866 war der Streit um die Verwaltung der Herzogtümer Schleswig und Holstein nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges. Dabei ging es um weit mehr, nämlich um die künftige Machtordnung zwischen Österreich, Preußen und den übrigen deutschen Staaten, mithin um den Fortbestand des Deutschen Bundes.
Bismarck bereitete den Krieg vor, indem die Berliner Regierung ein Offensiv- und Defensivbündnis mit dem neuen Königreich Italien schloss. Damit war Österreich im Konfliktfall vom Süden her bedroht. Im Mai 1866 spitzte sich der Gegensatz zwischen Preußen und Österreich in der Bundesversammlung zu. Die beiden Mächte machten ihre Streitkräfte mobil. Als schließlich Österreich einen neuen Regenten in Schleswig und Holstein einsetzen wollte, besetzte Preußen das österreichisch verwaltete Holstein. Österreich ließ, nach Zustimmung der meisten Mitglieder des Deutschen Bundes, die nicht-preußischen Truppen des Deutschen Bundes aufbieten, um eine Exekution gegen Preußen durchzuführen – zum Schutz der Bundesverfassung. Bayern, Württemberg, Sachsen, Kurhessen und Hannover schlossen sich Österreich an. Preußen trat daraufhin aus dem Deutschen Bund aus. Die Kriegshandlungen ab Juni 1866 zeigten, wie wenig die Gegner Preußens auf einen Waffengang vorbereitet waren – weder politisch noch militärisch. Den preußischen Truppen gelang es trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit rasch Hannover und Sachsen zu besetzen.
Situation in Sachsen: Mit der Mobilmachung im Mai wurde die knapp 32.000 Mann starke sächsische Armee bei Dresden zusammen gezogen. Den Oberbefehl über die Sächsischen Truppen erhielt am 19. Mai Kronprinz Albert (späterer König von Sachsen). Der Krieg traf Sachsen also nicht unvorbereitet. Die Vorbereitungen zum Abzug der sächsischen Armee nach Böhmen und die Vereinigung mit den Österreichern waren schon vor dem Beginn des Kriegsausbruches am 16. Juni abgeschlossen, abgestimmt und organisiert.
Preußen hatte an der Grenze zu Sachsen 2 Armeen konzentriert:
die Elb-Armee (General Herwarth v. Bittenfeld) auf dem rechten Flügel und
2. die 1. Armee (Prinz Friedrich Karl) in der Lausitz.
3. Die preußische 2. Armee (Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen) stand auf dem linken Flügel in Schlesien.
Nach der preußischen Kriegserklärung am 16. Juni 1866 zog das sächsische Armeekorps am 17. Juni kampflos elbaufwärts durch die sächsische Schweiz nach Böhmen ab, um sich mit dem österreichischen Armeekorps (Clam-Gallas) zu vereinigen. Der sächsische König Johann verließ mit der Armee Dresden und begab sich nach Prag. Die sächsischen Armee-Anstalten und Depots waren schon ab dem 15. Juni 1866 in Richtung Teplitz aufgebrochen. Die preußische Elb-Armee und die 1. Armee überschritten mit der Kriegserklärung am 16. Juni 1866 in den frühen Morgenstunden gleichzeitig an zwei verschiedenen Stellen (Strehla und Löbau) die sächsische Grenze. Um die Eisenbahn zwischen Leipzig und Dresden für die preußischen Truppen unbrauchbar zu machen, hatten sächsische Truppen zuvor die Elbbrücke der Eisenbahn bei Riesa abgebrannt um den Vormarsch der Preußen zu verzögern. Die Konstruktion zwischen den Pfeilern war aus Holz gebaut.
Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Riesa, Quelle Lithographie aus Saxonia
Desgleichen die Eisenbahn-Brücken der Bahnstrecke Dresden-Görlitz bei Löbau und die alte Elbbrücke bei Meissen.
Die zerstörte Eisenbahnbrücke bei Löbau wurde gesprengt
Alte Elbbrücke bei Meissen wurde abgerannt
Bereits am 17. Juni waren preußische Verbände der Elb-Armee in Meißen. Am 18. wurde Dresden von preußischen Truppen besetzt. Am 19. schließlich folgte auch Leipzig. Am 20. Juni, der 19. war ein Ruhetag, rückte die Elb-Armee von Dresden aus nach Osten vor. Über die alte Heerstraße, die Napoleonstraße (über die schon so viele Heere marschiert sind, so zum Beispiel die Russen, die Preußen und Franzosen im Jahre 1813), ging es in Richtung Bischofswerda und Stolpen. Am 22. Juni marschierten die Preußen bereits in Nordböhmen ein und erreichten, über Neustadt, Schluckenau (Šluknov). Die 1. Armee, über Bautzen und Löbau marschierend, überschritt am 23. Juni weiter nördlich die Grenze nach Böhmen. Sachsen war verloren, geopfert und kampflos aufgegeben. Einzig die Festung Königstein und die Haftanstalt Waldheim sahen jetzt noch, von den Preußen geduldet, sächsische Soldaten unter Waffen. Die Entscheidung des Krieges fiel aber an einer anderen Stelle. Auch wenn das Königreich Sachsen von Kampfhandlungen verschont blieb, so war die preußische Besetzung für die Bevölkerung bitter genug. Sie mussten gewaltige Tributionszahlungen leisten und Einquartierungen erdulden. Am 3. Juli 1866 brachte das preußische Heer bei Königgrätz in Nordböhmen Österreich die entscheidende Niederlage bei.
Die beide Stellen an denen die Preußischen Truppen am 16. Juni begannen Sachsen zu besetzten.
Der Sächsische Postverkehr wurde infolge der preußischen Besetzung Sachsens teilweise erheblich gestört. Die Post wurde teilweise beschlagnahmt und zensiert.
Briefe welche der Preußischen Zensur kurz nach Kriegsbeginn entgangen sind.
Die folgenden Postsendungen wurden am Tag der Eröffnung der Feindseligkeiten Preußens mit Sachsen vormittags aufgegeben. Da die Spedition nicht über das Fahrende Postamt Nr. 2 Leipzig-Dresden sondern in Richtung Süden mit dem Fahrenden Postamt Nr. 1 Leipzig-Hof bzw. mit der Bahnpost Leipzig-Berlin nach Norden erfolgte unterblieb die Beschlagnahmung und Zensur durch preußische Truppen, die bereits in den Mittagsstunden des 16. Juni 1866 die Bahnverbindung Leipzig-Dresden gesperrt hatten. Leipzig wurde erst am 19. Juni 1866 von preußischen Truppen besetzt.
Handelsbrief, welcher der preußischen Zensur am 16. Juni, dem Tag des Kriegsbeginns, entgangen ist, weil Leipzig noch nicht besetzt war und er nach Norden befördert wurde.
Paketbegleitbrief der Feldpostexpedition I, welcher der preußischen Zensur am Tag des Kriegsbeginns entgangen ist. Begleitbrief aus der Heimat in das Feld. Das Ziel dieses Briefes lag direkt an der Böhmischen Grenze, dort waren noch Sächsische Truppen in Kampfhandlungen verwickelt,
Feldpost-Paketbegleitbrief aus der Heimat in das Feld Beförderung: LEIPZIG Postexpedition III, 16. Juni 1866 7-8 Uhr vormittags nach HEIDELBERG b. EINSIEDELN (bei Seiffen)
Leitstempel bzw. Ankunftsstempel: Sächsische-Feldpostexpedition I, 24. Juni 1866. Die Spedition erfolgte infolge der Kriegsereignisse erheblich verzögert, Beförderungsdauer: 9 Tage Gewicht: 20 Lot Porto: nach der Postverordnung Nr. 2650 § 25 waren privaten Päckereien an Militärs nicht portofrei = 2 Ngr Empfänger: Infantrist Herrmann Remmler „4. Depot Comp. 12. Batt. Detachment“
Die Zensur der Briefpost während der preußischen Besetzung Sachsens 1866. Dadurch mussten starke Beförderungsverzögerungen in Kauf genommen werden.
Die Briefe wurden geöffnet und mit einem Klebezettel „VON DER KGL. PREUSS. MILITAIRVERWALTUNG GEÖFFNET“ wieder verschlossen. Die Zensurkennzeichnung mit Klebezettel fand auf Grund der heute vorhandenen Belege nur während zwei Tagen des Monats Juni 1866 statt. Sie fand nicht zentral statt. Die Zensur erfolgte durch Beschlagnahmung der sächsischen Post durch preußische Truppen. Offensichtlich waren beide preußischen Armeen, die mit Zensur-Klebezetteln ausgestattet. Es sind Zensuren aus Eroberungsgebieten beider preußischer Armeen bekannt. Alle bekannten Briefe sind über Dresden befördert worden. Doch eine zentrale Zensur in Dresden oder Leipzig kann ausgeschlossen werden, da deren Besetzung erst am 18. Juni bzw. 19. Juni 1866 erfolgte. Nach meinen Unterlagen sind bis heute vier Briefe mit dem preußischen Zensur-Klebezettel bekannt. Sie wurden alle im Juni 1866 befördert.
Zwei Briefe vom ersten Tag des Kriegsbeginns am 16. Juni 1866
Folgender Brief muss durch Truppen der Elb-Armee zensiert worden sein. Er wurde aus dem Zug der Bahnlinie Leipzig-Dresden beschlagnahmt.
Einfacher Frankobrief Beförderung: LEIPZIG 16. Juni 1866 12 Uhr mittags mit den fahrenden Postamt Nr. 2 auf der Strecke Leipzig-Dresden an die Station FISCHBACH bei Stolpen, Bahnhof
Adressat: Frau Anna Gablentz die Ehefrau des Postverwalters, der am 1. Januar 1866 eröffneten Postexpedition Fischbach an der Bahnstrecke der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahn Dresden- Görlitz gelegen.
Ob diese Bahnlinie schon wieder in Betrieb war, ist nicht mehr feststellbar, da keine Transit und Ankunftsstempel vorhanden sind.
Am 21. Dezember 1845 wurde die Eisenbahnstrecke Dresden – Bischofswerda eingeweiht. Die Züge hielten an der Haltestelle Fischbach. Noch heute erinnert der Flurname „Alter Bahnhof“ daran. Am 15. Oktober 1875 wurde der Arnsdorfer Bahnhof eröffnet. Als Eisenbahnknotenpunkt der Linien Dresden-Görlitz und Kamenz-Pirna bekam der Ort eine günstige Verkehrslage. Betriebe der Holz-, Metall- und Glasbranche siedelten sich an. Die Wandlung vom reinen Bauerndorf zum Industrie- und Wohnort begann.
Dieser Brief wurde durch die Elb-Armee zensiert und aus dem Zug der Bahnlinie Leipzig- Dresden beschlagnahmt. Er befand sich erst am nächsten Morgen auf dieser Sächsischen Bahnstrecke. Löbau wurde bereits am 16. Juni 1866 von Preußischen Truppen besetzt.
Einfacher Portobrief Beförderung: DESSAU 16. Juni 1866 7-8 Uhr nachmittags preußischer Postbezirk über LEIPZIG, mit den Bahnposten Leipzig-Dresden bis DRESDEN und Dresden-Görlitz bis nach LÖBAU. Porto: im 3. Postvereinsrayon > 20 Meilen = 3 Sgr.
Briefe vom zweiten Tag des Kriegsbeginns am 17. Juni 1866
Die Eisenbahnlinie Dresden-Bodenbach war vom 15. Juni bis 1. August 1866 unterbrochen, so dass dieser Brief nicht mit der Bahnpost nach Tetschen (K.u.K. Österreichischer Postbezirk) befördert werden konnte. Der Brief wurde von der 1. Armee zensiert.
Einfacher Frankobrief Beförderung: DRESDEN 17. Juni 1866 7 Uhr morgens über BODENBACH nach TETSCHEN 23. Juni 1866 in Böhmen. Beförderungsdauer: 7 Tage, Beförderungsverzögerung infolge Zensur: ca. 5 Tage Adressat: Madame Therese de Miltitz Dame d´honneure S.M. Reine de Sax auf dem Schloss Tetschen
Im Anbetracht der kritischen Lage Sachsens war dies sicherlich ihr Zufluchtsort, denn König Johann begab sich am 14. Juni mit seinem Gefolge nach Prag.
Therese von Miltitz wurde am 16. November 1827 in Dresden geboren und ist am 1. Februar 1912 in Schwerin gestorben. Sie war Tochter von Karl Borromäus von Miltitz und seiner Frau Auguste, geb. von Watzdorf. 1845 wurde sie Hofdame der sächsischen Kronprinzessin Amalie, deren Oberhofmeisterin ihre Mutter gewesen war. Sie war musikalisch und literarisch interessiert. So beschäftigte sie sich intensiv mit Notker, dem Übersetzer und Psalmenkommentator (um 950 bis 1022) von St. Gallen. Schon früh engagierte sie sich für die Altkatholiken, doch verstärkte sie das besonders, nachdem sie Ende der siebziger Jahre nach Bonn gezogen war. Außerdem engagierte sie sich für die Bildung altkatholischer Frauenvereine. Der Frauenverein in Karlsruhe wurde auf ihre Anregung hin gegründet. Ende der 1880er Jahre gründete sie einen „Missionsfonds zur Ausbildung altkatholischer Krankenpflegerinnen für erkrankte Altkatholiken in der Diaspora“.
Grenz-Zollamt Bodenbach mit der Eisenbahnlinie Dresden-Bodenbach und dem auf der anderen Seite der Elbe liegenden Schloss Tetschen.
Infolge der kriegsbedingten Eisenbahnunterbrechung der Bahnlinie Löbau-Zittau vom 15.Juni bis 16. September 1866 konnte der Brief nicht über diese Bahnlinie befördert worden sein. Normalerweise war Ober-Oderwitz der Umkartierungsort für Seifhennersdorf an dieser Bahnlinie.
Durch die erfolgte Zensur und Bahnlinienunterbrechung Leipzig-Dresden, betrug die Beförderungszeit dieses Briefs = 10 Tage. Der Brief wurde von der Elb-Armee aus dem Zug beschlagnahmt und zensiert.
Einfacher Frankobrief Beförderung: KIERITZSCH 17. Juni 1866 nach SEIFHENNERSDORF bei Zittau. Ohne die Kriegsereignisse wäre dieser Brief normalerweise mit den Bahnposten Leipzig-Hof bis Leipzig, Leipzig-Dresden bis Dresden, Dresden-Görlitz bis Löbau und Löbau-Zittau bis Ober-Oderwitz befördert worden, was in der Regel 2 Tage benötigte. Porto: 2ter Entfernungsrayon = 1 Ngr., Gewicht < 1 Loth Beförderungszeit: 10 Tage Kopie der Rückseite mit dem Zensur-Klebezettel und dem Ankunftsstempel in Seifhennersdorf.
Auch in den Folgemonaten der Preußischen Besetzung Sachsens wurde die Post durch die Preußische-Militärverwaltung kontrolliert, um eine Untergrundtätigkeit mittels der Briefpost zu unterbinden. Im Juli 1866 wurde auf Briefen in Leipzig – die Stadt war seit dem 19. Juni von Preußen besetzt – ein Zensurstempel eingesetzt. Zum Zeichen, dass die Post weiterbefördert werden darf, wurde der Brief mit einem Passiert- Stempel versehen. Dieser Stempel soll zum Ausdruck bringen, dass der Brief einen zulässigen Inhalt hat und nicht mehr geöffnet werden muss. Dieser Stempel ersetzt die Zensur-Labels vom Juni 1866. Nach meinen Unterlagen sind bis heute drei Briefe mit diesem Stempel bekannt. „PASSIRT K. Pr. M.B.“ = „Passirt Königlich Preußische Militär Behörde“, es folgt die früheste mir bekannte Verwendung dieses Zensur-Stempels. Eine Unterbrechung der Eisenbahnlinie LEIPZIG-HOF ab Juni 1866 bis zum 2. August 1866 zwischen Werdau und Hof wirkte sich für die Beförderung folgenden Briefs nicht aus. Quelle: Horst Milde, Sachsen-Brevier, S. 324 Ab Werdau wurde der Brief vermutlich auf das Fahrende Postamt Nr.3 und in Reichenbach auf das Fahrende Postamt Nr. 5 umspediert.
Einfacher Frankobrief Beförderung: LEIPZIG 4. Juli 1866 nach Bad ELSTER, an einen Sommergast, der im Haus Apollo seinen Urlaub verbrachte.
Die Unterbrechung der Eisenbahnlinie DRESDEN-BODENBACH vom 15. Juni bis 1. August 1866. Quelle: Horst Milde, Sachsen-Brevier, S. 320 Die Sächsischen Bahnlinien Leipzig-Dresden und Dresden-Bodenbach waren angesichts der für Kriegsverhältnisse relativ langen Beförderungsdauer von 4 Tagen offensichtlich nicht in Betrieb. Ob auf der Bahnpost-Strecke Bodenbach bis Wien durch Kriegseinwirkungen größere Beförderungsprobleme auftraten, konnte bislang nicht ermittelt werden.
Brief vom 19. Juni 1866, dem vierten Kriegstag. Dresden war seit dem 18. Juni von preußischen Truppen besetzt. Er unterlag keiner Zensur, weil er nach Westen befördert wurde. Dort befanden sich keine Sächsischen Verbände, deshalb unterblieb eine Zensur.
Im Inhalt schildert der Dresdener Unternehmer Moritz Rossner sehr eindrucksvoll die Zustände im Königreich zu Anfang des Krieges während der Besetzung Sachsens durch Preußen.
Einfacher Franko Brief Beförderung: Dresden Postexpedition VIII. 19. Juni 1866 auf das Rittergut Würchwitz im Bestellbezirk von Zeitz Adressat: Albin Weber Rittergutsbesitzer von Würchewitz Absender: Moritz Rössner Öl-Dampfmühlenbesitzer in Dresden-Neustadt Porto: Dresden bis Zeitz = 2ter Entfernungsrayon im Postverein = 2 Ngr.
Transkription des Briefinhalts: „Mein lieber Albin! Zwei Deiner lieben Briefe habe ich zur schuldigen Beantwortung vor mir, letzterer brachte uns die freudige Nachricht von der glücklichen Entbindung Deiner lieben Frau von einem tüchtigen Stammhalter, wir wünschen Dir von Herzen Glück dazu, möge das frische, fromme, fröhliche Reis an Deinem Stammbaum gedeihen und emporblühen zu Eurem Stolz und Freude, Gott beschütze Mutter und Kind und behüte Euch Ihr lieben Alle vor Unglück und Gefahr! Für die uns gesandten Blumen und sonstigen Mittheilungen schönsten Dank. Seit heute Mittag 12 Uhr stehen wir unter Königlich Preußischer Oberhoheit. Gott weiß was daraus wird, wir gehen jedenfalls einer schweren Zeit entgegen. Die Preußen haben das Königl. Schloß, das Prinzen Palais, die Post, das K. S. Haupt-Telegrafenamt, die Brücken, neue und alte, alle Bahnhöfe und Regierungsgebäude, besetzt. Unser König Johann, nebst Gemahlin sind in Prag, die Prinzen bei der Armee, welche Dresden total verlassen hat und sich nach der Gebirgsgränze über Böhmen zurückzieht, jede Stunde bringt neue, sich aber oft widersprechende Gerüchte, wir haben eine Abtheilung des 7. Armeecorps hier, das 31. und 40. Infanterie- Regiment, Königs-Husaren – Garnison Bonn/a.R. und Ulanen nebst nöthigem Artillerie Park, welcher in und um den großen Garten liegt, die Truppen werden durch Preußen mit 10 pro Kopf Entschädigung bei den Bürgern einquartiert .Die Eisenbahnbrücken bei Riesa und Löbau sowie die alte Elbbrücke bei Meißen haben die Sachsen bei ihrem Abzug gesprengt. Die Dampfschifffahrten nach allen Richtungen sind eingestellt und liegen in Bodenbach a. S., die Staats-Casse und Depositen-Gelder sind in Augsburg niedergelegt, die Kostbarkeiten aus dem Grünen Gewölbe, der Gemäldegalerie, der Rüstkammer, Sächs. Silberkammer und Japanischem Palais in Prag! Herzliche Grüße an Dich sowie an Deine liebe Frau samt werther Familie von meiner braven Frau und mir, Dein Dich aufrichtig liebender Schwager Moritz Roßner N. S. Mit der guten Selma geht es immer die alte Leier, es ist schrecklich aber wahr! Der Nebige“ Produkte des Absender:
Zum Adressaten: Würchwitz gehört zur Stadt Zeitz, Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt.
Als Teil des Hochstifts Naumburg, das 1564 kursächsisches Nebenland wurde und 1657–1718 als Herzogtum Sachsen-Zeitz nochmals Eigenständigkeit erlangte, zählte Würchwitz zum Amt Zeitz. 1815 kam es mit dem größeren Teil des Amtes an Preußen und gehörte dort 1816–1945 zur Provinz Sachsen. Rittergut
Rittergut Würchwitz im heutigen Zustand
In Würchwitz bestand 1669 ein Rittergut, als dessen Besitzer 1712 und 1742/43 Dietrich Wilhelm von Wendessen erscheint. 1769 verkaufte Georg Gottlieb Tischer das Rittergut an den Landwirtschaftsreformer Johann Christian Schubart, der hier seine wegweisenden Versuche zum Anbau von Futterklee durchführte, für die er 1784 mit dem Namenszusatz Edler von Kleefeld in den Adelsstand erhoben wurde. Um 1827 verkauften seine Nachfahren das Gut an Karl Friedrich von Römer, der es 1837 an Johann Friedrich Weber abgab. Dessen Familie besaß das Gut noch 1929, während bei der Enteignung im Zuge der Bodenreform 1947 ein Herr Seltmann als Eigentümer genannt wird.
Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen die sieben Orte Würchwitz, Podebuls, Bockwitz, Lobas, Loitsch, Sabissa und Stockhausen mit dem Amt Zeitz und die bisher zum Amt Borna gehörige Exklave Suxdorf im Jahr 1815 zu Preußen. Sie wurden 1816 dem Kreis Zeitz[7] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Rittergut Würchwitz mit den Gemeinden Würchwitz und Podebuls zur Gemeinde Würchwitz-Podebuls vereinigt.
Störungen beim Sächsischen Telegraphenbetrieb
Bis 5. Juli 1866 wurden folgende Telegraphenstationen durch preußische Truppen besetzt und außer Betrieb gesetzt: Dresden, Leipzig, Weimar, Altenburg, Riesa, Grossenhain, Meissen, Bautzen, Löbau, Zittau, Freiberg. In Chemnitz und Oederan war der Betrieb wegen Zerstörung der Leitung auch unterbrochen. Plauen, Bad Elster und Reichenbach haben während des Kriegs den Telegraphen-Betrieb mit Bayern und Österreich aufrecht erhalten. Quelle: Archiv für Post und Telegraphie des Reichs-Postamtes Berlin, Juli 1903, Sächsische Postverordnung Nr. 2735 Aus diesem Grund musste die Beförderung dieses Telegramms Nr. 2383 ab der Empfangsstation LEIPZIG nach DRESDEN durch die Postverwaltung als Portobrief gegen die üblichen Briefportogebühren erfolgen. Dies wurde durch Streichung „Franko gegen Empfangsschein“ gekennzeichnet und durch „Post“ ersetzt. Am 29. Juli war der Telegraphenbetrieb bis Leipzig offensichtlich schon wieder aufgenommen worden.
Telegramm als einfacher Portobrief zugestellt Beförderung: Briefaufgabe bei der Postexpedition Nr. 1 LEIPZIG 29. Juli 1866 Porto: Leipzig-Dresden = 1 Ngr. wurde vom Empfänger bezahlt.
Zustellverzögerung des Briefs aus Dresden nach Rosswein infolge Sperrung der Eisenbahnlinie Dresden-Leipzig durch die Zerstörung der Eisenbahnbrücke bei Riesa über die Elbe. Die Beförderung erfolgte nicht mit der Eisenbahn.
Einfacher Frankobrief Beförderung: DRESDEN- Postexpedition VIII (Bautzener-Straße 25b) 27. Juni 1866 nach BÖHRINGEN im Bestellbezirk von Rosswein 28. Juni 1866, mit der Bahnpost Dresden-Leipzig bis Wurzen 27. Juni weiter über Leissnig 28. Juni, Döbeln 28. Juni bis Rosswein Ausgabe- Stempel 28. Juni. Porto: 1ter Entfernungsrayon = ½ Ngr. , Gewicht < 1 Loth Beförderungszeit: 2 Tage, normalerweise wäre der Brief nur 1 Tag unterwegs gewesen
Beförderungsweg des Briefs DRESDEN nach ROSSWEIN
Brief-Umleitung: Verzögerung der Briefbeförderung und Wahl eines unüblichen Speditionswegs über Österreich infolge Unterbrechung der Eisenbahnlinie Reichenbach-Riesa und Leipzig-Hof.
Einfacher Frankobrief Beförderung: BUCHOLZ-ANNABERG 25. Juni 1866 über Oberwiesental, Karlsbad 26. Juni, Eger Juni, HOF 27. Juni 1866, Porto: 2ter Entfernungsrayon im Postverein = 2 Ngr. Beförderungszeit: 3 Tage
Beförderungsweg des Briefs über Österreich
So wäre der Brief normalerweise spediert worden: Mit den Bahnposten Annaberg-Chemnitz, Riesa-Reichenbach und Leipzig Hof.
Brief mit deutlich längerer Laufzeit infolge Unterbrechung von Eisenbahnlinien Leipzig-Dresden mit der zerstörten Eisenbahnrücke Riesa über die Elbe und der Unterbrechung der Bahnlinie Leipzig Hof ab Werdau.
Einfacher rekommandierter Frankobrief Beförderung: BRESLAU 20. Juni 1866 (Preußen) im Transit über Sachsen nach NÜRNBERG 26. Juni 1866 (Bayern) Porto: Rekommandation = 2 Sgr. + Briefporto 3ter Entfernungsrayon im Postverein = 3 Sgr. Franko Absender = 5 Sgr. Beförderungszeit: BRESLAU im Transit über Sachsen nach NÜRNBERG betrug 7 Tage, normalerweise dauert diese Beförderung Breslau-Nürnberg 2 maximal 3 Tage. Auf welchem Weg die abweichende Beförderung erfolgte sagt uns der Brief nicht mehr.
Beförderungsunterbrechung: Infolge des Preußisch-Deutschen Krieges nicht weiter beförderter Brief. Leipzig war seit dem 19. Juni 1866 von Preußischen Truppen besetzt.
Sachsen war seit Ende Juni vollständig von Preußischen Truppen besetzt. Ob der Brief jemals seinem Adressaten zugestellt wurde ich nicht nachvollziehbar.
Postlagernder Brief, der vom Adressaten nicht abgefordert wurde: Vermutlich war zu Kriegsbeginn ein Kgl. Sächsisches Truppen-Commando im verbündeten südlichen Bayern stationiert, das bei Eintreffen des Briefs zum Kriegs-Einsatz weiter nach Österreich verlegt wurde, wodurch der Brief beim Postamt nicht abgeholt wurde.
Einfacher Frankobrief „poste restante“ Beförderung: BAUTZEN 11. Aug. 1866 mit der Bahnpost DRESDEN-GÖRLITZ und LEIPZIGHOF nach MÜNCHEN 13. Aug. 1866 Adressat: Dr. W. Braune, Arzt bei dem Königlich Sächsischen Commandostab. Porto: 3.Entfernungs-Rayon im Postverein = 3 Ngr.
Brief-Umleitung: während des Preußisch-Deutschen Kriegs von 1866, war der Beförderungsweg im Transit durch das süd-östliche nach Böhmen infolge der Schlacht bei Königgrätz (3. Juli 1866) gesperrt. Dadurch nahm der folgende Brief eine außergewöhnliche Postroute. Dies dokumentiert die Leistungsfähigkeit des damaligen Postwesens.
Einfacher Frankobrief in den Postverein Beförderungsweg: DÖBELN 18. Juli 1866 über LEIPZIG mit der Bahnpost LEIPZIG-BERLIN (Bahnbrücken bei Riesa waren zerstört, sodass die Strecke DÖBELN bis RIESA auf der Strecke CHEMNITZ-RIESA nicht befahren werden konnte), BERLIN ANHALTER Bahnhof 19. Juli 1866, mit der Bahnpost FRANKFURT Oder – KOHLFURT – LIEGNITZ – FRANKENSTEIN, GLATZ 20. Juli 1866 (Schlesien Preußischer Postbezirk). Beförderungsdauer: 3 Tage (in Folge des Umweges) Gewicht: < 1 Lot Entfernung: > 20 Meilen im Postverein = 3. Rayon Frankoberechnung: Postvereinsgebühr bis zum Bestimmungsort bezahlt = 3 Ngr.
Beförderungsweg des Briefes
Aus der gezeigten Karte über den Aufmarschplan der Preußischen und Österreichisch-Sächsischen Armeen geht hervor, dass das östliche Sachsen und das östliche Böhmen Kampfgebiet waren. Glatz lag praktisch am Rande des Kriegsgebietes. Die Post konnte nicht wie sonst im direkten Weg durch Böhmen befördert werden. Quelle: Zwei Jahrzehnte Feld- und Militärpost der Kgl.-Sächsischen Postverwaltung in der Zeit von 1848 bis 1866, Horst Knapp (1982)
Verwendung des Postscheins am ersten Tag der Veröffentlichung der Postverordnung Nr. 2657: Post-Schein über die Einlieferung eines doppelten rekommandierten Franko-Briefs von LEIPZIG 22. Juni 1866 nach CREFELD (Preußen)
In der folgenden Post-Verordnung Nr. 2657 vom 22. Juni, 7 Tage nach Kriegsausbruch, wurde zur Ablehnung der Gewährleistung von Postsendungen in folge Kriegsauswirkungen Stellung genommen. Um dieser Tatsache gerecht zu werden wurde ein Stempel „Ohne Gewähr bei Kriegsgefahr“ verwendet. Dieser wurde vermutlich hauptsächlich bei Postsendungen verwendet, bei der die Post normaler Weise eine Verlustgarantie abgeben musste.
Kriegsbedingte Umleitungen eines Briefs durch Unterbrechung eines Eisenbahn-Cours. Der Krieg 1866 wirkte sich innerhalb Sachsens auch auf die mit der Bahnpost zu befördernden Briefe aus.
Einfacher Frankobrief Infolge der Unterbrechung des Eisenbahn-Cours REICHENBACH-RIESA vom 25. Juli 1866 bis Aug. 1866 wurde der Cours des Fahrenden Postamts Nr.7 von ANNABERG nach CHEMNITZ bis nach Waldheim verlängert (ab 15. Aug. 1866) und ab dem 21. Sept. 1866 täglich einmal nach GLAUCHAU umgeleitet. Quelle: Sachsen-Brevier, Horst Mild, S. 318 Beförderung: von WALDHEIM nach ERLA im Bestellbezirk von SCHWARZENBERG vom 17. Aug. 1866 mit dem Bahnpoststempel ANNABERG-CHEMNITZ Z 4 17/VIII und dem handschriftlichen Übernahmevermerk „WALDHEIM“ stellt einen außerordentlich seltenen Beleg für diesen Vorgang dar. Der Brief wurde durch das Fahrende Postamt Nr. 7 auf der Strecke REICHENBACH-RIESA von WALDHEIM bis ZWICKAU und von dort durch die Obererzgebirgische Eisenbahn auf der Strecke ZWICKAU-SCHWARZENBERG befördert.
Kriegsbedingte Verzögerung der Beförderung in das Kriegsgebiet um Königgrätz. Die Bahnpost war in diesem Gebiet offensichtlich auch unterbrochen.
Zum Zeitpunkt der Briefbeförderung war die Eisenbahnverbindung Dresden-Görlitz, Löbau-Zittau und Reichenbach bis Josephsstadt vollständig gebaut.
Einfacher Frankobrief Beförderung: DRESDEN 11. August 1866 über ZITTAU, REICHENBERG 12. Aug. HORZITZ nach JOSEPHSSTADT 16. August 1866 Beförderungsdauer: 6 Tage, normalerweise wäre die Beförderungszeit = 2 Tage
Beförderungsstrecke ab Zittau nicht über die Bahnlinie Zittau bis Josefstadt sondern auf dem Postkurs über die Straße.
Karte mit zur Beförderungszeit vollständig fertiggestellten Eisenbahnverbindung DRESDENLÖBAU- ZITTAU-REICHENBERG-HÖRZITZ-JOSEFSSTADT, die im August 1866 offensichtlich unterbrochen war.
Politische und militärische Situation: Die Hundert Tage Herrschaft Napoleons und der zweite Pariser Frieden am 20. November 1815.
Als Napoleon erfuhr, dass die Unzufriedenheit in Frankreich immer mehr wuchs, verließ er am 26. Februar 1815 mit etwa 1100 Soldaten sein Exil auf Elba und landete am 1. März 1815 an der Küste der Provence. Die gegen ihn ausgesandten Truppen liefen zu ihm über. Am 20. März zog Napoleon in Paris ein.
Die Großmächte des Wiener-Kongress (England, Russland, Österreich, und Preußen) griffen sofort zu den Waffen. Am 14. Juni drang Napoleon in Belgien ein, um die dort versammelten englischen und preußischen Truppen zu vernichten, bevor die Russen und Österreicher eintreffen würden. Aber seinem Sieg bei Ligny am 16. Juni folgte schnell die vollständige Niederlage in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815.
Die Großmächte auf dem Wiener-Kongress beschlossen auf Drängen Preußens die Teilung Sachsens. Das hatte zur Folge, dass auch die Sächsische Armee geteilt werden sollte und die in den von Preußen annektierten Sächsischen Gebiete wohnenden Soldaten auf Preußen zu vereidigen. Den Offizieren wurde dieses freigestellt. Dies führte zum Lütticher Aufstand der dort stationierten sächsischen Truppen gegen Blücher. Die Rädelsführer wurden standrechtlich erschossen und die Teilung der sächsischen Truppen sofort vollzogen.
Die militärischen Aktivitäten endeten damit für die sächsische Armee im Sommer 1815. Nach der entscheidenden Schlacht von Waterloo wurde ein neu gebildetes sächsischer Korps am 11. Juni 1815 mit ersten Teilen in Marschgesetzt, um sich den österreichischen Truppen des Fürsten Schwarzenberg anzuschließen. Durch Verstärkung konnte das sächsische Korps auf 16000 Mann und 3000 Pferde gebracht werden. Sie lösten österreichische und badische Truppen bei der Belagerung von Schlettstadt und Neu-Breisach ab. Geringere Kräfte blieben noch als Besatzungsarmee in Frankreich. Die verschiedenen Standorte werden nachfolgend noch aufgezeigt. Nach der verlorenen Schlacht von Waterloo und der Flucht Napoleons am 21. Juni nach Paris, wurde der Kaiser von der Kammer gezwungen am folgenden Tag abzudanken. Sein zweites Kaisertum dauerte genau 100 Tage. Auf Beschluss der Verbündeten Mächte wurde Napoleon auf Lebenszeit nach St. Helena verbannt. Im Zweiten Pariser Frieden zwischen König Ludwig XVIII. und den vier Großmächten musste sich Frankreich mit den Grenzen von 1790 begnügen.
Um ausreichende Sicherheit für die Zahlung der Kriegsentschädigung sowie Schutz vor einer erneuten revolutionären Veränderung Frankreichs zu haben, waren zur Überwachung gemäß den Bestimmungen des Zweiten Pariser Frieden in den Jahren 1815 bis 1818 ein Korps von 150.000 Mann in den nord- und ostfranzösischen Departements stationiert. Diese Besatzungstruppen mussten von Frankreich bezahlt werden. Die Hauptkontingente stellten England, Russland, Österreich und Preußen mit je 30.000 Mann. Weitere Besatzungstruppen stellten Bayern (10.000 Mann) und Sachsen, Württemberg, Hannover und Dänemark (je 5.000 Mann). diese Besatzungstruppen standen unter dem Oberkommando des Herzogs von Wellington. Die Verantwortung für innere Sicherheit der einzelnen Kontingente lag bei den Führungsstäben der einzelnen Verbände. Am 28. März 1815 war der vor Napoleon geflohene König Ludwig XVIII. der Allianz gegen den Kaiser beigetreten. Deshalb richtete sich der Krieg nur gegen Napoleon und nicht gegen das französische Volk. Die alliierte Besatzung wurde von einer Okkupationsarmee in eine reine Waffenstillstandsbesetzung umgewandelt. Als Gegenleistung musste sich Frankreich aber zur Übernahme der Kosten für den Sold und die Ausrüstung der Besatzungstruppen verpflichten. In der folgenden Karte von Nord- und Ostfrankreich sind die besetzten Departements eingezeichnet. Weiß = Besetzte Gebiete Frankreichs durch die Alliierten: Preußen, Österreich, Russen, Briten, Sachsen zum Schutz der deutschen und belgischen Grenze, der Kanal-Küste um Calais und der elsässischen Grenze.
In der Folge wechselte das Sächsische Kontingent mehrmals den Standort (Departement-Standorte der Sächsischen Besatzungstruppen = Rot).
1ter Standort: Juli 1815 bis 18./20. Dezember 1815, Departement Haut-Rhin mit dem Hauptquartier Colmar.
Drei Belege von der Besetzung des Elsass mit dem Hauptquartier Colmar. Während dieser Zeit wurde der erste Sächsische Feldpoststempel nur in schwarzer Farbe abgeschlagen. In schwarzer Farbe ist die Verwendung dieses Stempels deutlich seltener.
Portofreier Feldpostbrief Beförderung: COLMAR Elsass Oktober 1815 nach WALDENBURG Die Angabe „Feldpost“ in der linken unteren Ecke bewirkte die Portofreiheit. Unterlagen über die Portfreiheitsbestimmungen sind nicht erhalten geblieben. Inhaltsangabe: „Wir drehen uns jetzt im Elsass herum und plagen Bürger und Bauern, auf gut militärisch heißt es aber nicht plagen, sondern requirieren, das ist nun mal beym Soldaten nicht anders uns fällt dies gar nicht auf, wenn es nur den Einwohnern nicht auffiele? Doch versichert uns Jedermann, daß sie jetzt bey den Sachsen wie im Himmel lebten, denn vor uns waren Badener- und Österreichische Truppen in hiesiger Gegend, die mögen ihnen erst schön mitgespielt haben.„
Post-Einlieferungsschein beim Königlich Sächsischen Feldpost-Amt 1815 aus dem besetzten Elsass mit dem sehr selten belegten ersten Königlich Sächsischen Feldpoststempel (einzig mir bekannter Post-Schein mit dem ovalen sächs. Feldpoststempel „K.S. FELDPOST“). Die erste Type von Postscheinen die während der Besetzung Frankreichs im Einsatz waren.
Mit dem Einlieferungsschein wurde eine Kriegsbeute aus Frankreich nach Sachsen verschickt.
Mit dem Postschein wurde am 23. September 1815 aus dem Hauptquartier Colmar nach Johannisberg Sachsen eine emballierte (verpackte) Schachtel mit einer silbernen Taschenuhr aufgegeben.
Einer der schönsten Feldpostbriefe aus dem Standort COLMAR
Sammlung Arnim Knapp, ex Sammlung Schmidt
Portofreier Feldpostbrief Beförderung: COLMAR 15. Oktober 1815 nach DRESDEN. Das Andreskreuz signalisierte der Post die Gebührenfreiheit.
Absender und Empfänger: Von Oberst Hans August von Seydewitz veranlasst durch Generalmajor von Nostitz an Major von Sichardt in Dresden. Inhaltsangaben: es geht um die Abrechnung des Feldwebels Glänzel seiner Kompanie.
2ter Standort: Um den Österreichern Platz zu machen brach das sächsische Korps in zwei Kolonnen am 18./20. Dezember 1815 unter dem General-Major Gablenz auf und besetzten am 12. Januar 1816 die Festung Questnoy im Departement Meuse. (von dort sind mir zwei Briefe bekannt)
In einer Zeit als die Napoleonische Herrschaft endlich vorüber war, sehnte man sich in Europa nach Frieden und etwas ruhigeren Zeiten. Doch vor 200 Jahren erfasste Zentral-Europa die letzte große Hungersnot und das Jahr 1816 ging anschließend als das ‚Jahr ohne Sommer‘ in die Geschichte ein.
Feldpostbrief eines Soldaten in die Heimat mit Beschreibung der Auswirkungen eines Naturereignisses.
Portofreier Feldpostbrief eines Soldaten mit dem ersten Sächsischen Feldpoststempel „K.S. FELDPOST“ seit 1815,
Beförderung: aus der Festung Le Quesnoy nach „Ottendorf bei Chemnitz“ im Bestellbezirk von Mittweida Königreich Sachsen, an Gottfried Herrmann. „Mit der Feldpost“.
Johann Gottlob Herrmann war sächsischer Soldat und gemeinsam mit seinem Bruder in Nord- Frankreich stationiert. Ende November schrieben sie einen Brief an ihre Eltern (Johann Gottfried Herrmann) in ihre Heimat, Ottendorf. Er berichtet Vorkommnisse in der Besatzung und schwärmt sehnsüchtig von der sächsischen Heimat. Ein Zentrales Thema seines Briefes ist die Knappheit an Nahrungsmitteln, sowohl in Sachsen, als auch in Frankreich. Doch dies lag nicht an den kriegerischen Auseinandersetzungen während der letzten Jahre, sondern das kalte und regnerische Wetter führte zur letzten großen Hungersnot in Zentral-Europa. Was damals noch niemand wusste, so war der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815 die Ursache für diese Katastrophe. Als Folge des Ausbruchs gab es hauptsächlich in Zentral-Europa und Nordamerika das ganze Jahr über kalte Temperaturen, immer wieder Unwetter und starken Niederschlag. In Deutschland gab es im Juli 1816 sogar Minus-Temperaturen und Schnee. Somit war die Ernte dahin, der Getreidepreis stieg stetig an und erreichte im Sommer 1817 seinen Höhepunkt, kurz bevor die ersten Erntewagen wieder eintrafen. Das Jahr 1816 war anschließend bei den Deutschen als ‚Achtzehnhundert und erfroren‘ berüchtigt. Allerdings konnte erst im Jahr 1920 die Erklärung für diese Tragödie gefunden und auf den Ausbruch des Vulkans zurückgeführt werden. Bei dieser prekären Situation auf allen Seiten ist es umso erstaunlicher, dass der kommandierende General Leutnant von Gablenz veranlasst, eine Zuwendung in die Heimat zu schicken. In dem Brief heißt es weiter, „eine Aufforderung geschehen, daß ein jeden eine kleine Beisteuer beitragen sollte vor das Nahrungsberaubte Erzgebirge in Sachsen“. In der Bayreuther Zeitung von 1816 wird dies als Edle Tat beschrieben und dass ein regelrechter Wettstreit zwischen den Soldaten entstand immer mehr Geld in die Heimat zu senden. Von Gablenz, aus einem uralten sächsischen Adelsgeschlecht stammend, brach Mitte November gen Heimat auf und steuerte selbst 400 Thaler bei.
Transkription des Soldaten-Briefs, dabei wurde auf die originale Schreibweise geachtet.
Festung Le Quesony d 9 ten November 1816
Viel geliebte Eltern Euren Brief haben mir den 8 ten August richtig erhalten, und da aus er sehen daß Ihr lieben Eltern noch am Leben und Gesund waret welches uns sehr erfreut hatt. Mir beiten Brüder befinden uns Gott Sey Dank recht wohl, Gott helfe wieder auf beiden seyten. Mir haben mit Größ an Miß ver gnügen die Traurige Lage mit Sachsen aus Euren und mehreren Brüfen ver nomen, daß Es an Handel und Wandel und aller Art Handtierung sehr gehemmt ist, und daß die Natur Witterung, die Lebens mittel sehr ver hindert und ver derbt hatt. Viel Geliebte Eltern Mir haben viele be Kümemis um Euch’n Sein ver sichert Genug daß Euch dieses Hartes Schück Saal zu tragen sehr schwär wird und Ihr euch auf euren Altentagen eine unter Stützung wünscht von euren Kindern welche Euch schwör worden sind in ihren Jugend auf zu Ziehen und Ihr hätt es auch als recht schaffene Vater und Mutter die Uns zu allen Guten an gehalten haben ver dient Aber leiter Mir beiten Brüder seyn zu um ver mögent und so weit von Euch ent fernt daß Mir Euch nicht eine Hand reichen oder unter stützen zu können weil aber dieses Alles in unseren Kräften und ver Mögen nicht stehendt, Sowohl als Wir wieder diesen Zeit punkd strome nicht entgegen schwümen können, So müssen Mir alle unsere Sorgen und Kümernisse und alles das geringe das Unser Herz beun ruhiget auf den Festen und un ver gänglichen Fels würfen welcher der Allgütiger Gott ist der Aller unser Vater er Retter und Mittler unser Noth ist und an alle ….. Hülfe Scheint aus zu seyn dann ist Gott der Wächter an unserer seyte der uns seine Müllte Vater Hand dar reichet um uns aus den kerker der Trübsaal zu führen und die Cuelle des Trübsals zu verstehen. Lieben Eltern wen Ich Euch etwas von Neuigkeiten schreiben sollte so ist es dieses Jahr in Frankreich viel Regen gewest das bey nahe alle früchte schaden gelitten haben, der Brod preiß ist sehr hoch gestiegen das ein Pfund brod 4 Sou oder nach Sachsengelde 1 gr., 4 pfg kostet Erdäpfel und ander gemüse ist sehr wenig und so theuer das Man es nicht bezahlen kann und wie jetz die Aus sichten seyn so scheint es noch in Frankreich sehr schlechte Zeit zu werden, das Armut ist sehr groß, und auf keine Art ist nichts zu erweben Handel ….. und Fabriken und ver dienste sein ….. in Sachsen Nota Es ist für das Erz Gebyrge in Sachsen Aus in Frankreich Stehentes Corps von den Kommandierenten Herr General Leutenane von Gabelenz eine Auf Forter ung geschehen das ein jeder eine kleine bey Steuer bey tragen sollte Vor das Nahrungs beraubte Erz gebürg in Sachsen,
Lieben Eltern um unß traget keine Sorge Mir beyten Brüder befünden uns Gott sey Dank recht wohl und er leichternd und unser Schücksaal und Wünschen das Mir balt in die Mitte unser anver Wanten treten könten, Lieben Eltern Ich erinnere Euch nochmals an meinen Kleidungstücken diese nicht lasen zu verderben zu komen und Ich bin versichert Ihr werdet sie nicht laßen zu schaden werden Ich wünschte das es Gottes wate wäre das Ich sie balt wieder tragen könnte
Viele Grüße an alle Anverwante und Freunde welche Ihr wohlet die Gütte haben so schreibt uns balt wie es in Sachsen zu gehet Johan Gottlob Herrmann und wen Ihr schreibt so siegelt den Brief mit Obelaten und nicht mit Siegelack
An Orthographie und Schreibweise erkennt man, dass es sich um einen einfachen Soldaten handelte.
3ter Standort: Das Hauptquartier befand sich anschließend in Lillers im Departement Pas-De-Calais.
Bisher sind mir keine Briefe aus diesem Hauptquartier bekannt.
4ter Standort: Anschließend wurden die Sächsischen Truppen an den Grenzbereich zu Flandern verlegt
Departement Nord mit dem Hauptquartier Tourcoing bei Lille
Brief an den Kommandeur der Sächsischen Besatzungsarmee „General von Gablenz“ (Heinrich Adolf von Gablenz) im Hauptquartier der Sächsischen Besatzungstruppen von Tourcoing. Brief in das Hauptquartier der Sächsischen Truppen.
Portofreier Feldpostbrief Absender: Préfekt de Dèpartement du Nord Adressat: General von Gablenz, Commandant du Corps d´Armée Saxon Beförderung: Lille (Départment du Nord) 28. Juni 1816 nach Tourcoing Adressseite: Franchise-Stempel „Préfet Dép. Du Nord“ Siegelseite: ein französischer Franchise-Stempel „Préfecture du Département du Nord“ mit dem bourbonischen Staatswappen (3 Lilien) Briefinhalt: Er befasst sich mit dem Vorschlag, mit Rücksicht auf die günstigen sommerlichen Witterungsverhältnisse, mit dem Bau stationärer Kasernen in Roubaix zu beginnen, um die Truppen von ihrem bisher eingenommenen Feldlager in feste Unterkünfte überführen zu können. Die Portofreie Beförderung durch die Feldpost endete an der Sächsisch-Preußischen Grenze (einzig mir bekannter Brief) infolge der Bestimmungen des Friedensschlusses auf dem Wiener Kongress 1815. Vor dem Wiener Kongress war Merseburg sächsisch. Belege aus dem Departement Nord (es sind mir 2 Briefe mit diesem Stempel bekannt)
Sächsischer Feldpostbrief aus dem besetzten Flandern nach Wegwitz bei Merseburg in Preußen nach der Teilung Sachsens infolge der Verhandlungen beim „Wiener Kongress“.
Portofreier Feldpostbrief bis zur sächsischen Grenze Beförderung: Roubaix (nordöstlich von Lille) 4. September 1816 über („Lpz 10/9“) Leipzig 10. September 1816 („Militairbrief mit der Königl. Sächs. Feldpost“) nach Wegwitz in den Bestellbezirk von Merseburg (seit dem Wiener Kongress 1815 preußischer Postbezirk) Gebühren: Portofrei bis zur sächsischen Ausgangsgrenze Porto Preußen = 1 Gr. + Bestellgeld = ½ Gr. (Wegwitz) Zusammen = 1 Gr. 6 Pfg. vom Empfänger zu bezahlen Ausschnitt der Briefrückseite: Porto und der Botenlohn wurden handschriftlich vermerkt.
Das Siegel trägt die Inschrift „WIRTSCHAFTS-COMMISSION KÖNIGL.SACHSISCHES 1 SCHÜTZEN-BATAILLON“.
Feldpostbrief aus dem letzten Jahr der Sächsischen Besatzungstruppen in Frankreich. Feldpostbriefe waren nicht vom Bestellgeld befreit.
Portofreier Feldpostbrief Das Andreskreuz signalisiert der Post die Gebührenfreiheit Beförderung: Hautebourdin (südwestlich Lille) 18. Februar 1818 nach Reudnitz im Bestellbezirk von Ostritz Gebühren: Bestellgeld in Reudnitz im den Landbestellbezirk von Ostritz = 6 Pfg.
Transkription: „Viel gelibter Bruder und Mutter Wen dich meine bar zeilen bey guter Gesundheit anbelangt soll es mich herzlich freuen, was mich anbelangt so befinde ich mich gott sey dank gesund. Lieber Bruder ich muß mich doch sehr wundern, da ich doch beinahe 3 Monate schon an dich geschrieben habe und noch keine Antwort erhalten habe, ich weis nicht wie das zu geht da doch noch kein Brief verlohren gegangen ist, so lange als ich in Frankreich bin solte diser nicht an dich gekomen sein so glaube ich doch daß du disen erhalten wirst, ich habe dir geschrieben daß Du mir sollst die gelbe weste ohne ermel schiken und das schwarze seiden Tuch weilich hir hausen keines kaufen will den es ist alles noch ein Mahl so Theuer und Daug auch nichts soltes du den Brief nicht erhalten haben so schike es mir so gleich auf disen, ich habe auch an Rößlern geschriben schreibt mir doch mit ob er ihn erhalten hat Ich grüße auch alle vielmahl Dein Bruder bis in Dod Pache, Corporal“
Am 30. Januar 1816 fand der nächste Quartierwechsel in das Departement Nord in der Nähe der Festung Lille statt. Das Hauptquartier lag nun in Tourcoing. Hier verblieb das sächsische Korps bis zum 7. November 1818.
Feldpostbrief aus der Heimat in das Hauptquartier der Sächsischen Truppen
Portofreier Feldpostbrief Beförderung: Sachsen nach Tourconing bei Lille 1816 durch einen Feldpostkurier; „Durch die Feldpost“. Adressat: Kgl. Sächsischer Equipage Soldat „Samuel Endler“ bei der Feld-Kriegs-Kasse der Kgl. Sächs. Mobilen Truppen im Hauptquartier zu Tourcoing bei Lille in französisch Flandern.
Post-Einlieferungsschein aus dem Hauptquartier der Sächsischen Truppen (Zweite Type; es sind mir nur 4 Stücke bekannt) kurz vor dem Ende der Besetzung Frankreichs beim Königlich Sächsischen Feldpost-Amt. Nach dem Aachener Kongress vom 29. September bis zum 21. November 1818.
Während der Besatzungszeit Kgl. Sächsischer Truppen in Frankreich gedruckter Postschein des Kgl. Sächsischen Feldpostamtes vom 12. Juli 1818 aus dem Hauptquartier in Tourcoing. Er quittiert einen „Rapport“ der Sächsischen Truppen nach Dresden. Im Rapport befand sich eine Anweisung über 30 Thaler 18 Groschen. Aufgeber: „Canzlei des Generalstabes“ Empfänger: „Seine Exellenz dem kommandierenden General-Leutnant von Le Coq“
Militärdienstbrief vom Hauptquartier Tourcoing zum Standort Lille mit dem Frachise- Stempel der Kgl. Sächs. Feldpost „SEVICE MILITAIR Königl:Saechs:Feld-Post-Amt in Frankreich“ (einzig mir bekanntes Stück)
Portofreier Feldpostbrief Beförderung: TOURCOIN 8. Dezember 1817 nach LILLE Absender: Le Commandant du Corps Saxon General Zezschwitz Adressat: Monsieur le Comt de Rémusat, Préfet du Departement du Nord á Lille
Absender: Stationen Johann Adolf Freiherr von Zezschwitz während der Napoleonischen Feldzüge ab 1814: Ende 1813 kehrte er aus russischer Gefangenschaft nach Sachsen zurück. Am Feldzug 1814 nahm er im Stab des Oberbefehlshabers des 3. deutschen Armeekorps, zu welchem die neuaufgestellten sächsischen Truppen gehörten, des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar, in Flandern und in Nordfrankreich teil. Mitte April 1815 trat Thielmann in preußische Dienste und verließ das Korps. Dadurch fiel Zezschwitz die Leitung der Geschäfte während des Feldzuges 1815 und der Maiereignisse von Lüttich zu. Anschließend führte er die Truppen nach Westfalen, wo sie in einen preußischen und einen sächsischen Teil geschieden wurden. Den Offizieren wurde die Zugehörigkeit freigestellt. Zum in Frankreich stehenden Besatzungsheer des Herzogs von Wellington gehörte ein Kontingent von 5.000 Sachsen, die unter dem Befehl von Heinrich Adolf von Gablenz standen. Zezschwitz wurde dort Chef des Generalstabes und 1817 zum Generalmajor befördert, bevor er es Ende 1818 in die Heimat zurückführte.
Adressat: Auguste-Laurent de Rémusat (1762–1823) war Kammerherr Napoleon Bonapartes sowie späterer Präfekt vom Departemente du Nord Zweiter Sächsischer Feldpoststempel wurde von der Heimat an die Front verwendet. Er wurde immer in schwarzer Farbe abgeschlagen.
Briefe aus der Heimat über die Briefsammelstelle Dresden in das besetzte Frankreich.
Zwei Feldpostbriefe aus Dresden nach Tourcoing bei Lille, dem Hauptquartier der Sächsischen Besatzungs-Truppen ab 1816. Feldpost-Briefe aus der Heimat nach Frankreich wurden mit dem Stempel „Milit.Brief Dresden.“ gekennzeichnet. Dieser Stempel beurkundete die Portofreiheit (es sind mir 6 Briefe bekannt).
Portofreier Feldpostbrief Beförderung: DRESDEN nach TOURCOING bei LILLE Adressat: das Wohllöbliche Brigade Kriegsgericht beim mobilen Corps der Kgl. Sächs. Armee Absender: Das Linieninfanterie-Regiment „Prinz Maximilian“ war ein Infanterieverband der kurfürstlich (später königlich) sächsischen Armee. Es wurde am 7. Dezember 1701 als Infanterie- Regiment „Graf Beichlingen“ zur Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August I (August der Starken) gegründet und wurde nach dem Verlust der sächsischen Militärautonomie am 31. März 1919 aufgelöst. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig kämpfen die Reste des Regiments als 2. Linieninfanterieregiment gegen Frankreich. Anschließend verbleibt das Regiment bis 1816 als Besatzungstruppe in Frankreich.1814-1816 In Folge der Anfang November 1813 eingetretenen Neuformierung der Armee nahm es an dem Feldzug in Flandern teil und focht bei Camp de Nousies oder beim Ausfalls-Gefecht bei Affevent. Anschließend verblieb das Regiment von 1816 bis Ende 1818 als Besatzungstruppe in Frankreich.
Portofreier Feldpostbrief mit Francise-Vermerk: „Milit. Mit der Königl. Sächs. Feldpost“ Einzig mir bekannter Brief Brief vom Magistrat der Stadt Dresden (Kgr. Sachsen) an den Bürgermeister von Heys op den Berg (vereinigtes Königreich Holland, östlich von Mechelen in der Region Flandern) der nicht gänzlich portofrei war. Es wird den Angehörigen das Ableben eines Soldaten aus dem Lazarett in Dresden übermittelt.
Nach der Französischen Besetzung Hollands: Der Name wurde gewählt, um einen neuen, vereinigten europäischen Staat zu bezeichnen, der während des Wiener Kongresses 1815 gegründet worden war. Dieser Staat, der oft auch einfach „Königreich der Niederlande“ genannt wurde, bestand aus den ehemaligen Österreichischen Niederlanden im Süden und der früheren Republik der Sieben Vereinigten Provinzen im Norden.
Transkription:„Les Magistrats de la Ville de Dresde Monsieur le Maire de la Commune d Heyst op den Berg. Monsieur! Il n´y a pas de moyen de pouvoir Vous donner quelques nouvelles certaines sur la vie ou la mort du jeune Joseph Geen, qui doit avoir ètè en Garnison á notre Ville vers l´an 1812 ou 1813, parceque tuos les listes des militaires, malades ou morts dans les hopiteaux de Dresde, tenées par des Employés francois, se trouvent maintenant á Paris chez Monsieur Bourdin, régisseur général des hopiteaux de cette Ville. Veuillés prendre cela en réponse sur votre lettre du 26. Octobre de 1 année courrante de ceux, qui ont l´honneur d´étre avec respect, Vos trés humbles Serviteurs, les Magistrats de la Ville de Dresde, Hermann, Syd.
Dresde, le 15. Novbr. 1815. 4. Francs Frais de Poste et Judiciaires.“
Portofrei auf dem Gebiet Sachsens und Preußens bis zur holländischen Grenze (Rötelkreuz), in Holland portopflichtig. Francisevermerk „Choses militaires“ Beförderung: DRESDEN 18. November 1815 über das Grenzpostamt „Henry de Chapelle“ (südwestlich von Aachen) nach HEYST OP DEN BERG. Porto in Holland: 20 Stuiver + 2 Stuiver 2 Duyt Bestellgeld
Auf der Siegelseite befindet sich der Übernahmestempel der Kgl. Niederländischen Postverwaltung „Duitsch Grensk: te Henri Chapelle“ und das Porto für den Empfänger „V 22 H 2“
Die spätesten mir bekannten Briefe während der Besatzungszeit Sächsischer Truppen in Nordfrankreich vom Oktober und November 1818. Die Portofreiheit im Ausland war 1818 offensichtlich für Sächsische Militärbriefe aufgehoben. Sie wurden mit der regulären Post befördert. Briefe an den Sächsischen General-Major von Nostitz im königlich sächsischen mobilen Armee-Corps gerichtet.
Einfacher Portobrief Beförderung: Von ANTWERPEN 19. Okt. 1818 über LILLE „PAYS BAS PAR LILLE“ nach TOURCOING, Gebühren: nach dem Postvertrag Niederlande mit Frankreich von 1817 „L.P.B. 2.R.“ Tourcoing im 2ten Entf. Rayon = 8 Dezimen vom Empfänger zu bezahlen
Einfacher Portobrief mit Weitersendung Beförderung: Von HAMBURG 11. Nov. 1818 bis Holland ist der Brief im geschlossenen Paket befördert, DEVENTER Grenzpostamt Holland, dort wurde der Grenzübergangsstempel „Noordsch Grenzkantoor“ er kennzeichnet die Herkunft aus dem Norden (Hamburg) über LILLE das mit Deventer die Post austauschte „PAYS BAS PAR LILLE“ nach TOURCOING, Dort weitergesendet nach CAMBRAY südlich von Tourcoing. In Tourcoing wurde der Brief wieder zur Post nach Campray aufgegeben „DEB. 57 TOURCOIN“ Gebühren: nach dem Postvertrag Niederlande mit Frankreich von 1817 „L.P.B. 4.R.“ Tourcoing im 4ten Entf. Rayon = 10 Dezimen = 8 Dez. für Holland u. 2 Dez. für Frankr. Tourcoing nach Campray = 2 Dezimen Porto Empfänger = 12 Dezimen Weil der Brief den Postweg verlassen hatte kostete er weitere 2 Dezimen zur Verrechnung wurde der Stempel DEB. 57 TOURCOIN abgeschlagen.
Aufruf des Autors: Wer ähnliche Belege aus dieser Zeit in seiner Sammlung hat bitte an Arnim Knapp per Mail schicken (mindestens 300 DPI scannen) damit wir diese in einem Ergänzungsartikel veröffentlichen können.