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Die Einführung der Rahmenstempel R ohne Datum Anfang 1827 (Aufruf zur Mitarbeit)

Stefan Kolditz, Gelenau

Ausgangspunkt meiner postgeschichtlichen Betrachtungen zu den Langstempeln BRAMBACH und Neukirchen (späterer Beitrag) sind die Ausführungen in den Beiträgen zu den Langstempeln in den Rundbriefen Nummer 104 (S. 6 ff.) und 105 (S. 15 ff.). In einer Anfrage wurden nicht nur Stempeldaten der Langstempel, sondern auch der Folgestempel erfragt.

Leider war die Resonanz auf meinen Aufruf zur Meldung von Stempeldaten und ggf. Belegscans sehr bescheiden. Aus diesem Grunde werde ich versuchen, auf der Grundlage der mir zur Verfügung stehenden Primär- und Sekundärquellen sowie Belegkopien einige Sachverhalte zur Stempeleinführung der Langstempel sowie deren Ablösung aufzuzeigen. Dies dient auch als Grundlage für die künftigen Ausführungen zur Eröffnung der Postexpeditionen Brambach, Schönberg, Markneukirchen und Klingenthal.

Bei den Betrachtungen zu diesen Postexpeditionen spielen zwei postgeschichtliche Sachverhalte bei den vier Postexpeditionen eine Rolle. Das sind auf der einen Seite Besonderheiten bei der Farbe der Taxierung des den Binnenpostanstalten zugeordneten Postamt Adorf und die grundsätzliche Frage, wann die Rahmenstempel R mit Ortsnamen ohne Datum in Sachsen eingeführt wurden.

In der Literatur werden für das Einführungsdatum des Rahmenstempels R mit dem Ortsnamen keine Originalquellen angegeben.

In „Die alte Sachsenpost, 1973 (Asapo)“ ist lediglich allgemein vermerkt (Seite 157):

„Postexpeditionen, die nur mit einer benachbarten Postanstalt in Kartenschluß standen, bekamen Stempel, die gerahmte Ortsnamen ohne Datumsangabe zeigten (R), da der Tag der Absendung aus der Karte der umarbeitenden Postanstalt hervorging. Von diesem Typ sind bis jetzt als frühestes Verwendungsjahr 1826 und als spätestes 1837 bekannt. Nach einer Anordnung des Finanzministeriums vom 1. April 1835 wurden alle Postanstalten mit vollständigen Stempeln mit Ortsnamen und Datum ausgestattet.“

Im „Sachsen-Brevier, 1994“ werden bei den Stempeltypen R Einführungsjahre ab 1824 angegeben, oftmals identisch mit der Eröffnung von 1824 eröffneten Postexpeditionen, beispielsweise Brambach, Markneukirchen und Klingenthal. Bei der Postexpedition Schönberg gibt Milde 1830 an.

Nach neueren Erkenntnissen steht der Einsatz der datumlosen Stempel mit der Abrechnung der Binnenpostanstalten mit der vorgesetzten Postanstalt im Zusammenhang und nicht explizit mit der Kartierung. Eine Binnenpostanstalt kann mit sämtlichen auf einem Kurs liegenden Postanstalten im Kartenschluss stehen und nicht nur mit einem, wie in der Asapo aufgeführt; zum Beispiel Thum und Ehrenfriedersdorf mit allen Postanstalten auf dem Kurs von Leipzig nach Annaberg. Abrechnende Postämter waren für Thum und Ehrenfriedersdorf Chemnitz und Annaberg.

Da Quellen über die Auslieferdaten der Stempel nicht bekannt sind, lassen sich nur Rückschlüsse über die Verwendungsdaten mit Belegen ziehen.

Die Anzahl der hierfür zur Verfügung stehenden Briefe ist allerdings begrenzt, denn es liegen mit den Rahmenstempeln R versehen oft nur nicht datierbare Briefhüllen vor.

Unter Einbeziehung sämtlicher Postanstalten mit dem Rahmenstempel R habe ich als frühesten Beleg mit dem Rahmenstempel R einen Postvorschussbrief mit Inhalt von Scheibenberg gefunden.

Der Brief mit vollständigem Inhalt wurde von Scheibenberg an das Patrimonialgericht zu Untersachsenfeld gesendet. Für das Gericht war der Advokat Ponitz in Schwarzenberg zuständig und der Advokat ist als Adressat auch auf dem Brief vermerkt.

Der Vorschuss von 2 Talern 16 Groschen 6 Pfennigen (64½ Groschen) wurde an den Absender ausbezahlt. Zuzüglich der Procuragebühr (5½ Gr.; Rechenfehler 68 wurde gleich mit 70 berichtigt) und dem Fahrpostporto (1½ Gr.) hatte der Empfänger 71½ Groschen in Schwarzenberg zu bezahlen. Hinzu kam noch das Bestellgeld von 3 Pfennigen (das Postamt Schwarzenberg vermerkte das Bestellgeld meist vorderseitig auf dem Brief mit Bleistift, 3 rechts unten).

Im Briefinnern ist vermerkt:

„… und daß wir die beiverzeichneten Kosten verlagsweise von der Scheibenberger Post-Expedition entnommen haben und verharren mit vollkommenster Hochachtung

Schloß Sachsenfeld am 24. Febr. 1827.“ Die Liquidation des Vorschussbetrages ist detailliert aufgeführt.

Da im Brief „entnommen haben“ steht, gehe ich davon aus, dass der Brief am 24. Februar 1827 geschrieben und am gleichen Tag zur Post gebracht wurde.

Im Briefinnern befindet sich weiter ein Präsentvermerk: „prs. am 5. März 1827.“ Vermutlich ist dies der Tag der Übermittlung des Briefes vom Advokaten an das betreffende Gericht in Untersachsenfeld.

Der früheste Einsatz des Rahmenstempels R dürfte demnach von Januar/Februar 1827 bei allen Postexpeditionen sein. Dies widerlegen könnte lediglich ein zweifelsfrei datierbarer Brief aus dem Jahre 1826 oder früher mit dem Rahmenstempel R.

Ein weiterer Postvorschussbrief mit einem frühen Rahmenstempel R ist vom 6. Mai 1827 von Dippoldiswalde nach Dresden.

Das Absendedatum wurde hier mit dem 6. Mai 1827 auf der Briefvorderseite vermerkt.

Der Empfänger hatte 52½ Groschen zuzüglich 6 Pfennige Bestellgeld in Dresden zu bezahlen (Vorschuss 47 Gr. + Procuragebühr 4 Gr. = 51 Gr. + Fahrpostbinnenporto von Dippoldiswalde nach Dresden 1½ Gr. = 52½ Gr. + Bestellgeld ½ Gr. = 2 Taler 5 Gr.).

Bei den Postexpeditionen, welche einen Rahmenstempel R erhielten, wäre der Zeitraum von der Eröffnung der Postexpedition bis 1826 hinsichtlich der Verwendung von anderen Briefaufgabestempeln gesondert zu betrachten.

In einem gesonderten Beitrag wird dieser Zeitraum für die Postexpeditionen Brambach, Schönberg, Markneukirchen und Klingenthal beschrieben; hieraus zwei späte Stempel (8. September 1826, 30 Januar 1826) als Beispiele. Die Belege dazu werden in einem späteren Beitrag beschrieben.

Demnach hatten beispielsweise Schönberg und Brambach 1826 noch keine Rahmenstempel R.

Nur anhand zweifelsfrei datierbarer Belege vor 1827 kann das Einführungsjahr des Rahmenstempels R vorverlegt werden.

Ich bitte die Sammler in ihren Sammlungen nachzusehen und mir einen Scan des Briefes und der Innenseite mit dem Datum vor 1827 zuzusenden (Mail: kolditzgelenau@t-online.de).

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